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Vorsicht vor Mahnungen wegen einer »Deutschen Gewinner Zentrale« – UPDATE

Vorsicht vor Mahnungen wegen einer »Deutschen Gewinner Zentrale« – UPDATE

Viele Verbraucher wenden sich derzeit an den BDIU, weil sie dubiose Gewinnspiel-Mahnungen erhalten haben. UPDATE: Jetzt sind auch BDIU-Unternehmen von dem Betrugsversuch betroffen. 

Von wem stammen die Mahnschreiben?

Absender ist eine „E-Plus AG Forderungsmanagement & Inkasso Büro“. Laut Briefkopf hat sie ihren Sitz am Kurfürstendamm in Berlin. Recherchen zeigen aber auf: Eine Firma unter diesem Namen existiert gar nicht. Sie ist auch nicht im Rechtsdienstleistungsregister gelistet. Eine Registrierung ist aber für jedes Inkassounternehmen Pflicht. Nur registrierte Inkassodienstleister dürfen Forderungen einziehen.

UPDATE: Inzwischen liegen uns noch weitere Schreiben in dieser Sache vor. Sie sind im Wesentlichen identisch zu denen der »E-Plus AG«, verwenden aber andere Absender. Ein Schreiben stammt von einer »Kanzlei Hermann Inkasso Forderungsmanagement«. Auch sie ist nicht im Rechtsdienstleistungsregister registriert. Andere Schreiben haben jedoch ein registriertes Inkassounternehmen als Absender: Hier ist das Logo der »Universum Group« abgebildet, eines seriösen Mitgliedsunternehmens des BDIU. Vorsicht: Diese Schreiben sind Fälschungen! 

Ist die Firma »E-Plus AG« Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen?

Nein – obwohl auf den Schreiben das Gegenteil steht. Besonders dreist: Auf allen Schreiben ist auch das Logo des BDIU abgedruckt. Dabei dürfen nur Mitgliedsunternehmen mit dem Verbandslogo werben.

Was steht in den Mahnschreiben?

Die Empfänger sollen eine Forderung der „Deutschen Gewinner Zentrale“ bezahlen. Angeblich bestehe ein Dienstleistungsvertrag, zu dem sich die Empfänger der Schreiben telefonisch angemeldet haben. Daran kann sich aber keiner von ihnen erinnern.

Wie sehen die Briefe aus?

Auf den ersten Blick wirken sie wie offizielle Mahnschreiben. Es sind Aktennummern vermerkt, Anschriften und Kontaktdaten angegeben, es gibt eine dezidierte Forderungsaufstellung, die Verwendung von Logos verschiedener Branchenverbände sowie des TÜV signalisieren Seriosität. Auf den zweiten Blick jedoch bemerkt man viele Rechtschreibfehler, es fehlt die Angabe einer Homepage, E-Mails laufen über einen kostenlosen Web-Client („Gmail“ von Google) und die Überweisungen sollen auf ein Bankkonto im Ausland erfolgen (kein „DE“ am Anfang der IBAN). Alles das sind klare Indizien für einen Betrugsversuch.

Wohin sollen die Gelder überwiesen werden?

In den Briefen gibt es jeweils einen vorausgefüllten Überweisungsträger. Die IBAN hat ein „GR“ am Anfang, für Griechenland. Das ist völlig ungewöhnlich für das Mahnschreiben eines Inkassounternehmens, das seinen Sitz in Deutschland hat. Normalerweise würden dann auch die Überweisungen auf ein Konto bei einer deutschen Bank erfolgen.

Um wie viel Geld geht es?

Die geforderte Summe setzt sich zusammen aus einer Hauptforderung, Mahn- und vorgerichtlichen Inkassokosten sowie einem Steuerabzug. Insgesamt wird von den Empfängern die Zahlung von 298,46 Euro verlangt. Das ist auf allen Mahnschreiben, die uns vorliegen, identisch.

Was sollte ich als Empfänger dieser Schreiben tun?

Ganz wichtig: Nicht bezahlen! Das Geld wäre sonst weg.

Sollte ich einen Widerspruch an das Unternehmen schicken?

Ganz klar: Nein! Die uns vorliegenden Schreiben enthalten zwar jeweils ein „Kündigungs-Formular“. Das erweckt den Eindruck, dass man sich durch das Ausfüllen von weiteren Forderungen entlasten könnte. Das Formular sollen die Empfänger entweder per Fax oder per E-Mail versenden. Vermutlich würden die Betrüger aber eine solche Kündigung vielmehr als Bestätigung dafür werten, dass zunächst überhaupt ein Vertrag eingegangen worden ist. Das könnte stattdessen weitere lästige Schreiben zur Folge haben. Ein schriftlicher Widerspruch per Post dürfte sinnlos sein, da die Firma unter der auf den Briefen angegebenen Adresse gar nicht erreichbar ist. Es ist also besser, überhaupt nicht auf den Absender zu reagieren.  

An wen kann ich mich wenden, wenn ich ein solches Schreiben erhalten habe?

Informieren Sie Ihre Polizeidienststelle. Die Behörden können dann gegen die Betrüger ermitteln. Sie können sich auch an eine Verbraucherberatungsstelle wenden oder den BDIU informieren. Wir übernehmen es dann für Sie, die Behörden über den Betrugsversuch zu informieren. Darüber hinaus haben wir bereits selbst eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt, da die Betrüger unser Logo unerlaubterweise auf den Schreiben verwenden.

Woran erkenne ich ein echtes Mahnschreiben?

Inkassounternehmen machen auf ihren Mahnungen genaue Angaben zur Sache: Sie müssen den Namen oder die Firma des Auftraggebers sowie den Grund für die Forderung nennen. Als Schuldner kann man die Mahnung daher leicht der ursprünglichen Rechnung zuordnen. Außerdem müssen Inkassounternehmen registriert sein. Das kann man unter www.rechtsdienstleistungsregister.de ganz einfach überprüfen („Registrierungen suchen“). Eine Mitgliedschaft im BDIU spricht zudem für Seriosität, da sich Verbraucher bei Problemen mit einem Inkassounternehmen vertrauensvoll an die Beschwerdestelle des Verbands wenden können.