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Mit besserer Finanzkompetenz gegen die private Überschuldung

Mit besserer Finanzkompetenz gegen die private Überschuldung

Die Pandemie sorgt auch für mehr Zulauf bei Schuldnerberatern. Jeder zehnte Deutsche gilt als überschuldet. Die gemeinnützige »finlit foundation« will aufklären – und so Menschen vor Überschuldung bewahren. Die Gründer stellen sich im Interview vor. 

 

Die finlit foundation setzt sich für eine bessere Finanzbildung ein – woher kommt Euer Engagement?

 

Die finlit foundation ist im November 2019 als gemeinnützige GmbH aus einer Mitarbeiterinitiative der EOS Gruppe entstanden. Dazu muss man wissen: Schon zwei Jahre zuvor haben wir mit dem Purpose „EOS. For a debt-free world“ unser Selbstverständnis als Unternehmen definiert. Übersetzt in die Praxis bedeutet das: Wir wollen in Kombination mit modernen Produkten und Dienstleistungen säumige Zahler*innen auf dem Weg in eine schuldenfreie Zukunft unterstützen. Neben einem fairen Umgang bei der Bearbeitung von Forderungen sehen wir die Prävention als einen elementaren Beitrag dafür.

Ein schuldenfreies Leben ist für viele Menschen derzeit leider nicht die Realität. In Deutschland gibt es rund 6,9 Millionen Überschuldete. Die Ursachen für dieses Problem sind vielfältig. Sicher ist jedoch, dass es vielen Betroffenen an finanzieller Alltagskompetenz mangelt. Wir wollen uns daher gesellschaftlich engagieren und zu einer besseren Finanzkompetenz insbesondere junger Menschen beitragen.

 

Wie wollt Ihr konkret helfen, dass weniger Menschen überschuldet sind?

 

Wir – Jana Titov, Sebastian Richter und Jannik Steinhaus – wollen die Themen Geld und Schulden enttabuisieren, Finanzkompetenz verbessern und damit einen Beitrag gegen die private Überschuldung leisten. Wir wollen Menschen dabei unterstützen, zu selbstbewussten und mündigen Verbrauchern zu werden. Um das zu erreichen, arbeiten wir seit März 2020 ausschließlich für die gemeinnützige Organisation.

Im ersten Schritt setzen wir bei der jüngeren Generation an. Denn insbesondere Kindern und Jugendlichen fällt das Haushalten mit dem eigenen Budget schwer. Lifestyle-Konsum, gezieltes Marketing und digitales Bezahlen können überfordern. Es mangelt an Vorbildern und Erfahrungen im Umgang mit Geld.

Wir sind überzeugt, dass Finanzkompetenz eine Grundvoraussetzung des Erwachsenwerdens ist. Um Finanzfallen zu erkennen und Überschuldung vorzubeugen, müssen vor allem junge Menschen aufgeklärt werden. Bildung ist hier der Schlüssel und wir wollen Lehrkräfte dabei unterstützen, Finanzwissen zu vermitteln. Da man sich diesem wichtigen Thema nicht früh genug im Leben widmen kann, setzen wir mit unserer ersten Finanzbildungsinitiative ManoMoneta bereits in der Schule bei den 3.-6. Klassen an.

 

Sebastian Richter, Jannik Steinhaus und Jana Titov

Seit wann gibt es ManoMoneta und was genau macht eure Initiative?

 

Gemeinsam mit einem gemeinnützigen Bildungspartner aus Berlin haben wir digitale und analoge Materialien für den Einsatz im Unterricht entwickelt. Diese stellen wir Lehrkräften und Schulen kostenlos zur Verfügung und geben ihnen damit ein motivierendes und qualitativ hochwertiges Angebot an die Hand, um lehrplanrelevante Themen wie Konsum, Medienwelten, Wohnen, Arbeiten, Haushalten im Alltag mit der wichtigen Lebenskompetenz Finanzbildung zu verknüpfen. Das Material eignet sich für Präsenz- und Fernunterricht und ist komplett individualisierbar.

Seit Oktober sind wir mit unserer Initiative live. Bisher ist das Feedback der Lehrkräfte sehr gut – sie sind richtig begeistert!  Wir konnten schon über 5.500 Kinder in mehr als 80 Schulen mit unserem Angebot erreichen.

 

Wie hat die Pandemie euer Vorhaben beeinflusst?

 

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben in diesem Jahr nochmal mehr gezeigt, wie wichtig Finanzkompetenz ist. Die persönliche Situation kann sich so schnell ändern und ohne entsprechende Finanzkompetenz können solche unerwarteten Ereignisse zu einem großen Problem werden. Daher sind wir nochmal mehr überzeugt davon, dass wir mit unserem Angebot genau den richtigen Nerv treffen.

Wir haben uns mit 2020 nicht das einfachste Jahr für unseren Start ausgesucht. Die Lage in den Schulen war in den letzten Monaten sehr heterogen. Viele Lehrkräfte waren mit den Auswirkungen der Pandemie beschäftigt und durch die Schulschließungen konnte zum Teil kein Präsenzunterricht stattfinden. Daher haben wir unser Angebot von Anfang an cross-medial gestaltet, um Lehrkräfte damit auch im Home Schooling zu unterstützen. Zudem bieten wir gemeinsam mit unserem Bildungspartner Fernunterricht an.

 

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

 

Unzureichendes Know-how im Umgang mit Geld ist ein globales und altersunabhängiges Problem und man kann an den unterschiedlichsten Stellen ansetzen. Daher haben wir noch viel vor. Allerdings wollen wir uns im ersten Schritt darauf konzentrieren ManoMoneta weiter in die Schulen zu bringen, Feedback von Lehrer*innen und Kindern einzuholen und unser Angebot dadurch kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ebenso planen wir die Internationalisierung verschiedener finlit Tätigkeiten und sind zudem offen für Kooperationen mit anderen Organisationen.

 

»ManoMoneta« im Einsatz an der Schule