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Wie läuft der Forderungseinzug in Syrien ab – im Vergleich zu Deutschland?

Wie läuft der Forderungseinzug in Syrien ab – im Vergleich zu Deutschland?

Mohamad Al Eid ist studentischer Mitarbeiter in der Rechtsabteiung des BDIU. Im Interview erklärt er, wie sich das Rechtssystem in Deutschland von dem in seiner Heimat Syrien unterscheidet. 

Seit November unterstützt Du als studentischer Mitarbeiter die Rechtsabteilung der BDIU-Geschäftsstelle. Was studierst Du, und was hast Du bis jetzt gemacht?

 

Mein Name ist Mohamad Al Eid, ich komme ursprünglich aus Syrien und bin seit 2015 in Deutschland. In meiner Heimat habe ich Jura studiert, konnte das wegen der Situation dort aber leider nicht abschließen. Eigentlich wollte ich das Studium nun in Deutschland fortsetzen, aber da die Gesetze und die rechtlichen Grundlagen in den beiden Ländern sehr unterschiedlich sind, wurde mein bisheriges Studium nicht anerkannt. Daher habe ich mich entschieden, ein anderes Fach zu studieren. Seit 2018 bin ich an der HWR, der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, für Wirtschaftsrecht eingeschrieben und aktuell im dritten Semester. Nebenbei arbeite ist als Werkstudent beim BDIU in der Rechtsabteilung.

 

Wie hat Dich Dein Weg zum BDIU geführt?

 

Eigentlich war es Zufall. Im November hatte ich mich beim Deutschlandstipendium beworben – darüber hat mich der BDIU ausgewählt, was mich nach wie vor sehr freut! Gleichzeitig habe ich mich gefragt, worum es sich beim Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen überhaupt handelt. Dazu muss man wissen: In Syrien gibt es gar keine Inkassodienstleister, weder als Privatunternehmen noch von staatlicher Seite aus. Natürlich gibt es auch dort offene Forderung, allerdings werden sie ganz anders eingezogen als hier in Deutschland.

 

Wie funktioniert denn der Forderungseinzug in Syrien?

 

Natürlich gewährleistet auch der Gesetzgeber in Syrien den Einzug offener Forderungen. Die Forderungen sind allerdings sehr unterschiedlich – jede Forderung hat ihre eigene Struktur und Voraussetzungen. Bei Immobilien und Fahrzeugen etwa garantieren sich die Kredite sozusagen selbst, sodass sie im Eigentum der Bank bleiben, bis der Kreditnehmer den Betrag innerhalb der vereinbarten Frist zurückzahlt. Schafft er das nicht, kann die Bank die Immobilie oder das Auto pfänden und über eine Auktion die Forderung realisieren. Bei Privatkrediten braucht der Kreditnehmer jeweils zwei Bürgen, die Angestellte sind und über ein festes Gehalt verfügen, oder alternativ zwei Bürgen mit entsprechenden Vermögenswerten, die gemeinsam für die Erfüllung der Forderung haften, sollte der Kreditnehmer in Verzug geraten. Bei Landwirtschaftskrediten werden die Forderungen von einem Agrarkreditinstitut am Ende jeder Vegetationsperiode eingezogen.

Letztlich verpflichten sich die Schuldner bei privaten Forderungen durch die Schuldverschreibungen dazu, den Betrag zurückzuzahlen. Ansonsten kann der Gläubiger die Schuldverschreibung beim Gericht abgeben, dann wird die Forderung vom Gerichtsvollzieher eingezogen – vor allem im Rahmen der Zwangsvollstreckung. Wenn der Schuldner kein Vermögen hat, dann muss er seine Schuld durch Haft ausgleichen.

Ich persönlich finde es viel einfacher und sparsamer, private Forderungen durch Inkassounternehmen einzuziehen, und bin froh, dass ich die Chance habe, das System des privaten Forderungseinzugs in Deutschland kennenzulernen. Dabei kann ich auch das theoretische Wissen, das ich in meinem Studium lerne, in der Praxis einsetzen. Und ich hoffe natürlich, dass ich durch meine Tätigkeit als Werkstudent beim BDIU diesen Beruf so weit kennenlerne, dass ich ihn am Ende vielleicht irgendwann nach Hause sozusagen exportieren kann.

 

Mohamad Al Eid ist studentischer Mitarbeiter der BDIU-Rechtsabteilung.