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Rechtsberatendes Gremium der Inkassowirtschaft

Rechtsberatendes Gremium der Inkassowirtschaft

Er ist eines der wichtigsten Gremien des BDIU: der Rechtsausschuss. Im Interview erklärt dessen Vorsitzende Andrea Schweer, wie der Ausschuss die Arbeit des Verbands unterstützt.

Welche Aufgaben übernimmt der Rechtsausschuss für den BDIU?

ANDREA SCHWEER: Ich kann ja mal – wie vom Juristen erwartet – furchtbar formell werden: Die Aufgaben des Rechtsauschusses sind in § 37 der Satzung definiert. Immer noch formell, aber immerhin kürzer könnte man ihn als rechtsberatendes Gremium der Geschäftsstelle und des Präsidiums bezeichnen.

Womit befasst sich der Ausschuss aktuell?

SCHWEER: Wir beschäftigen uns mit allen Rechtsfragen, die die Inkassobranche bewegen, angefangen bei allen Fragen zu den Inkassokosten, über die Zwangsvollstreckung bis hin zu rechtlichen Fragestellungen aus dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG).

Wir sichten Gesetzgebungsvorschläge und unterstützen bei Stellungnahmen zu Gesetzgebungsvorhaben. Jedes Ausschussmitglied hat so etwas wie ein Fachgebiet. Dieses Spezialwissen stellen wir dem Verband zur Verfügung. Aber wir arbeiten auch gerne als gesamte Gruppe. Unsere Ausarbeitungen zu unterschiedlichen Problemen rund um die „Erstattungsfähigkeit von Inkassokosten“ sind Beispiele dafür.

Neben dem Rechtsausschuss sind auch andere Gremien des BDIU mit juristischen Themen befasst, zum Beispiel der Ausschuss für das Gerichtsvollzieherwesen oder der Datenschutzausschuss, der im Moment den Inkassounternehmen u.a. bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung hilft. Wie sehr tauschen Sie sich untereinander aus?

SCHWEER: Der Austausch zu rechtlichen Themen ist in der Zwischenzeit sehr eng. Je nach Fachgebiet nehmen Mitglieder des Rechtsausschusses bei Bedarf an Sitzungen der anderen Ausschüsse teil. Im Rahmen des BDIU KONGRESSES finden auch gemeinsame Sitzungen der Ausschüsse statt, um gemeinsame Thema im großen Plenum diskutieren zu können.

Wenn über Inkasso in den Medien berichtet wird, geht es dabei selten um juristische Zusammenhänge. Könnte das Ihrer Meinung nach einer der Gründe sein, warum das Forderungsmanagement in der Öffentlichkeit eher negativ betrachtet wird?

SCHWEER: Juristische Zusammenhänge sind leider schwer vermittelbar, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Es gibt ja den Ausspruch „Recht hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun“, aber jeder Mensch fühlt sich nur dann gerecht behandelt, wenn er Recht bekommt. Ein Schuldner, der zahlen muss, obwohl er das nicht gerecht findet, wird sich auch dann nicht besser verstanden fühlen, wenn man versucht, ihm die juristischen Zusammenhänge zu erklären. Nein, ich denke, Forderungsmanagement wird negativ betrachtet, weil es für die, die zur Bezahlung ihrer offenen Rechnungen bewegt werden sollen, negativ ist.

Welches juristische Basiswissen zu Inkasso sollten zum einen Unternehmer, zum anderen Verbraucher aus Ihrer Sicht haben?

SCHWEER: Es gibt ein wichtiges Basiswissen, das beide brauchen. Wenn man sich zu etwas verpflichtet, dann muss man es in einer bestimmten Zeit erfüllen. Beide sollten außerdem wissen, dass es teurer wird, wenn man nicht rechtzeitig zahlt.

Der Unternehmer sollte wissen, was er tun kann, wenn er berechtigte Forderungen hat, die nicht bezahlt werden. Der Verbraucher sollte wissen, dass jeder von uns den Schaden, den die Wirtschaft durch nichtbezahlte Rechnungen erleidet, mittragen muss, egal ob er seine Rechnungen immer pünktlich bezahlt.

Immer wieder gibt es Missverständnisse zur Berechtigung von Inkassoforderungen. Was ist der häufigste – rechtliche – Denkfehler, wenn in der Öffentlichkeit von Inkasso die Rede ist?

SCHWEER: Ich habe immer das Gefühl, dass viele Leute denken, wir würden eigeninitiativ tätig. Das bedeutet, wir suchen uns willkürlich einen angeblichen Schuldner aus, bei dem wir willkürlich eine angebliche Rechnung geltend machen, und die geltend gemachten Gebühren würfeln wir aus.

Der Öffentlichkeit ist nicht bewusst, wie stark das Forderungsmanagement bereits durch die Gesetzgebung reglementiert ist.

Andrea Schweer leitet eine Sitzung des Rechtsausschusses Anfang Januar in Berlin.