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Privatverschuldung: Sich außergerichtlich zu einigen ist besser als ein Insolvenzverfahren

Privatverschuldung: Sich außergerichtlich zu einigen ist besser als ein Insolvenzverfahren

Jeder zehnte Verbraucher gilt als überschuldet. Lösungen versprechen außergerichtliche Schuldenbereinigungen. Wir sprachen dazu mit Rita Hornung, Geschäftsführerin der Marianne von Weizsäcker Stiftung.

Außergerichtliche Einigungen verlangen ein Entgegenkommen von beiden Seiten. Als Vertreterin von Schuldnerinteressen engagieren Sie sich in der Stephan-Kommission und diskutieren dort mit Gläubigervertretern. Wie muss man sich das vorstellen?

RITA HORNUNG: Wir wollen durch unser Engagement in der Kommission dazu beitragen, dass beide Seiten zunächst ein besseres Verständnis für die Situation des jeweiligen Gegenübers bekommen. Schuldnerberater wollen für ihre Klienten einen möglichst einfachen und gangbaren Weg finden, damit diese von ihrer Schuldenlast befreit werden, um dann wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Gläubiger dagegen haben berechtigte Zahlungsansprüche.

Dabei auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, ist nicht immer einfach, und die Lösung muss auch nicht zwangsläufig in der Mitte liegen. Aber die Erfahrung zeigt, dass außergerichtliche Einigungen mit verbindlichen Verpflichtungen eine »Win-win-Situation« für alle Beteiligten sind.

Wir wollen verlässliche Bedingungen für die Schuldner- und die Gläubigerseite schaffen – das ist eines der wichtigsten Ziele der Stephan-Kommission.

Die Marianne von Weizsäcker Stiftung hilft ehemals Suchtkranken, die in Finanznot geraten sind. Wie machen Sie das genau?

HORNUNG: Wir setzen auf Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt zunächst: Die Betroffenen müssen ihre Suchterkrankung überwunden haben. Damit die Menschen wieder eine eigene Existenz aufbauen können, brauchen sie Sicherheit und Vertrauen. Viele sind mit ihrer Schuldensituation überfordert. Im Durchschnitt haben sie in der Zeit ihrer Abhängigkeit rund 10.000 Euro an Verbindlichkeiten angehäuft – die wir ihnen durch unbürokratische Lösungen abzubauen helfen. Dazu verhandeln wir mit den Gläubigern unserer Klienten und versuchen zunächst, die Höhe der Forderungen zu reduzieren, abgestimmt auf die maximale Leistungsfähigkeit der Betroffenen. Für diese Vergleichssumme stellt die Stiftung Darlehen zur Verfügung, sodass die Schuldner nur noch eine Rate auf überschaubare Zeit an nur einen einzigen Gläubiger – die Weizsäcker Stiftung – zahlen müssen.

Das heißt, Sie befreien die Betroffenen nicht zu 100 Prozent von ihrer Schuldenlast, sondern erwarten von ihnen auch eigenes Engagement?

HORNUNG: Sehr richtig. Wir wollen den Betroffenen die Schulden nicht abnehmen, sondern sie abgestimmt auf ihre Leistungsfähigkeit bezahlbar und überschaubar machen und so die Eigenverantwortlichkeit stärken. Den von uns betreuten Menschen ist es sehr wichtig, ihre Schulden zu bezahlen, sie benötigen dabei von uns nur Unterstützung und individuelle Lösungen.

Wir erstellen für jeden Betroffenen daher ein sorgfältig geprüftes Sanierungskonzept mit dem Ziel einer Gesamtsanierung durch Teilerlass-Vergleiche. Die Gläubiger erhalten so eine schnelle und kostengünstige Lösung und bekommen zumindest noch einen Teil ihrer Forderungen beglichen. Das nützt auch der Gegenseite, denn wenn die Betroffenen stattdessen ein Verbraucherinsolvenzverfahren anstreben würden, würden die Erlöse für die Gläubiger aller Erfahrung nach nur einen Bruchteil dessen betragen, was wir als Stiftung für sie erzielen können.

 

Dieses Interview stammt aus der Ausgabe 24 des BDIU-Magazins »Inkassowirtschaft«.