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Inkassounternehmen als Regulativ für Wirtschaft, Verbraucher und Öffentliche Hand

Inkassounternehmen als Regulativ für Wirtschaft, Verbraucher und Öffentliche Hand

Kirsten Pedd, Präsidentin des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen, entgegnet auf Kritik an ihrer Branche.

Frau Pedd, dient Inkasso in erster Linie dem Selbstzweck?

KIRSTEN PEDD I Auf keinen Fall. Inkasso dient dem Gläubiger einer Forderung, diese zu realisieren. Das ist ein ganz wesentliches Thema des wirtschaftlichen, aber auch gesellschaftlichen Gleichgewichts.

Entstandene Forderungen, die nicht realisiert würden, treiben die Preise nach oben und sorgen damit für eine ungerechte Beteiligung auch derjenigen, die ihre Rechnungen vertragstreu begleichen. Einfach ausgedrückt: Der pünktlich zahlende Konsument zahlt die Zeche des anderen mit. Gerecht ist das aus meiner Sicht nicht.

Unternehmen sichern sich mit professionellem Forderungsmanagement durch Inkassounternehmen darüber hinaus Liquidität, also finanziellen Handlungsspielraum. Selbstzweck kann ich in diesen Zielen nicht erkennen. Dass eine gute Dienstleistung bezahlt werden muss, Inkassounternehmen also Geld verdienen mit dem, was sie tun, ist nicht ernsthaft in Frage zu stellen. In den vielen Gesprächen, die ich dazu führe – nicht nur mit Wirtschaftsvertretern, sondern auch mit der Verbraucherseite –, ist das bisher auch nie der Fall gewesen.

Wie sieht die Auftraggeberstruktur der Inkassobranche aus?

KIRSTEN PEDD I Den typischen Auftraggeber gibt es nicht. Die Auftraggeber der Inkassobranche sind genauso vielfältig wie die Wirtschaft. Dazu gehören Kleinunternehmen genauso wie große Konzerne, Distanzhändler genauso wie stationärer Handel, sowohl Handwerk als auch Dienstleitung, Start-up und alteingesessenes Unternehmen. Es sind auch alle Wirtschaftszweige vertreten: Finanzbranche, Handel, Handwerk, Medizin, Medien und sogar die sogenannte öffentliche Hand, also Bund, Länder und Kommunen.

Mal angenommen, es gäbe keine Inkassounternehmen. Wie würde »unsere Welt« aussehen?

KIRSTEN PEDD I Ich kann an meine erste Antwort anknüpfen: Es wäre eine ungerechtere Welt. Kritiker sehen das möglicherweise anders. Die müsste man aber mal fragen, ob sie denn bereit wären, für Produkte deshalb höhere Preise zu zahlen, weil andere ihre Rechnungen nicht bezahlen. Man müsste auch fragen, ob sie es richtig finden, wenn Unternehmen, weil ihre Forderungen nicht realisiert würden, in finanzielle Schwierigkeiten geraten und Arbeitsplätze abbauen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Inkassounternehmen im BDIU Geschäftsprozesse und Wirtschaftskreisläufe im Gleichgewicht halten. Sie sind ein unverzichtbares Regulativ.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich die Auswirkungen auf den öffentlichen Haushalt und damit auf den Steuerzahler: Die Gerichte wären in kürzester Zeit am Ende ihrer Kapazität und müssten erheblichen Personalaufbau – zulasten der öffentlichen Haushalte – betreiben, um den Verfahren Herr zu werden, die deshalb angestrengt werden müssten, wenn Inkassounternehmen nicht im Vorwege außergerichtlich Lösungen finden würden. Der Schuldner wäre darüber hinaus mit höheren Kosten belastet, denn – wer das nicht glaubt, möge sich kundig machen – Gerichtskosten und Kosten der Zwangsvollstreckung übersteigen Kosten der außergerichtlichen Forderungseinziehung um ein Vielfaches.

Eine Welt ohne Inkassounternehmen? Besser nicht!

Vielen Dank für das Gespräch!

Noch mehr Meinungen zu Inkasso und den Leistungen der Unternehmen des Forderungsmanagements lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Inkassowirtschaft.