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Inkasso und Politik: Im Gespräch bleiben

Inkasso und Politik: Im Gespräch bleiben

Zwei Politische Referenten des BDIU erklären, wie sie es schaffen, den Belangen der Inkassowirtschaft gegenüber der Politik Gehör zu verschaffen.

Ein Gespräch mit Dr. Sabine Schmidt, die den Verband inzwischen zur Hauptstadtrepräsentanz von Bertelsmann verlassen hat, und Lorenz Becker, der ab 1. Oktober Schmidts Nachfolge beim Inkassoverband übernehmen wird.  

Herr Becker, Sie haben bereits mehrere Stationen im Journalismus sowie auf dem politischen Parkett in Berlin und Brüssel beschritten. Wie kommt man von da aus zur Interessenvertretung der Inkassowirtschaft?

LORENZ BECKER: In meiner politischen Arbeit haben mich immer wieder die Menschen beeindruckt, die anpacken, die etwas unternehmen. Ich selbst habe als Freier Journalist auf eigene Rechnung gearbeitet. So habe ich an unterschiedlichen Stellen erlebt, dass unternehmerischer Erfolg schnell von zahlungsunwilligen Geschäftspartnern gefährdet werden kann. Der Verband der Inkassowirtschaft sorgt mit seriöser politischer Arbeit für einen verantwortungsvollen Umgang von Gläubigern und Schuldnern miteinander – da will ich mich gern einbringen.

Frau Dr. Schmidt, Inkasso ist wahrscheinlich nicht unbedingt das Lieblingsthema der Politik in Berlin und Brüssel. Wie schafft man es, trotz vielleicht vorhandener Vorurteile aufseiten der Gesprächspartner die Belange unserer Branche hörbar zu machen – oder gibt es am Ende gar nicht so viele Vorurteile auf der »anderen Seite«?

DR. SABINE SCHMIDT: Tatsächlich wurde ich oft auf »Moskau-Inkasso« angesprochen oder auf betrügerische Mahnschreiben aus dem Ausland. Hier konnte ich gleich einhaken und darauf aufmerksam machen, dass diese meist von nicht registrierten Inkassounternehmen verschickt werden. Dass für die Ausübung der Rechtsdienstleistung des Inkassos eine Registrierung notwendig ist und zur Erlangung der notwendigen theoretischen und praktischen Sachkunde vielfältige Voraussetzungen zu erfüllen sind, wird oftmals nicht vermutet.

Mittlerweile ist der BDIU im politischen Berlin fest verankert, und in Gesprächsterminen, die ja meist einen thematischen Aufhänger haben, sind mir keine plumpen Vorurteile begegnet. Der sachliche Austausch steht im Vordergrund. Unsere Gesprächspartner sind interessiert an unseren Einschätzungen. Wichtig ist es, immer wieder auf die Belange der Gläubiger nicht bezahlter Forderungen aufmerksam zu machen, also den zahlreichen Auftraggebern der Inkassounternehmen, die auf die Hilfe von Profis angewiesen sind.

Herr Becker, Sie waren in den letzten Jahren auf der Seite der Politik aktiv, unter anderem Wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten sowie als Pressesprecher der FDP-Landtagsfraktion in Brandenburg. Wie hat die Politik selbst Inkassounternehmen wahrgenommen?

BECKER: Erstaunlich widersprüchlich: Einerseits will die Politik – zu Recht – die Bürger vor unseriösen Praktiken von Inkassogeschäften schützen, mitunter bestärkt sie dabei leider auch das schlechte Image der ganzen Branche. Andererseits rufen Politiker nach Inkassounternehmen, wenn die öffentliche Hand ihre legitimen Forderungen nicht durchsetzen kann. Wenn beispielsweise Unterhaltsvorschüsse von einem zahlungsunwilligen Elternteil nicht zurückgeholt werden können, sind die Dienste der Inkassowirtschaft Politikern aller Parteien höchst willkommen.

Was war der überraschendste Moment in einem Gespräch mit einem Politiker?

DR. SCHMIDT: Überrascht war ich so einige Male von der Offenheit und Redseligkeit einzelner Gesprächspartner. Beispielsweise bei einem Gespräch mit einem Abgeordneten zu Fragen des Datenschutzes erzählte dieser sehr anschaulich von seinen Erfahrungen bei Hausbesuchen in seinem Wahlkreis. So mancher zunächst ernst und spröde wirkender Politiker entpuppte sich im Gespräch als richtiger Spaßmacher.

Und was hat Sie, Herr Becker, bisher am meisten über die Inkassobranche überrascht?

BECKER: Das gebe ich nicht gern zu … Auch ich hatte merkwürdige Vorstellungen von der Branche. Vermutlich dachte ich, dass man ein grimmiges Äußeres haben muss, wenn man beruflich Geld von säumigen Schuldnern eintreibt. Folglich war ich ganz positiv überrascht, auf durchweg freundliche, aufgeschlossene und sehr umgängliche Menschen zu stoßen – sowohl in der Geschäftsstelle des Verbands als auch in den Unternehmen.

Frau Dr. Schmidt, nach sechs Jahren nehmen Sie Abschied vom BDIU. Was werden Sie vermissen, was wird Ihnen am meisten in Erinnerung bleiben?

DR. SCHMIDT: Meine Kollegen des Teams der Geschäftsstelle, die gute Zusammenarbeit im Team und die jederzeit freundliche und aufgeschlossene Umgangsart in den Verbandsgremien.