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Bericht vom FENCA Congress 2017

Bericht vom FENCA Congress 2017

200 Entscheider und Experten tauschten sich letzte Woche beim Kongress der FENCA in Sofia aus. Motto des internationalen Branchentreffs: »Shaping the culture of debt collection«.

Vom 27. bis 29. September versammelte sich in der bulgarischen Hauptstadt das Who is Who des internationalen Forderungsmanagements zum Kongress ihres europäischen Dachverbands, der Federation of European National Collection Associations, kurz: FENCA. Rund 200 Teilnehmer aus der ganzen Welt kamen nach Sofia, um sich auszutauschen, Netzwerke auszubauen und so die Zukunft der Branche zu gestalten.

Gerade für die deutsche Inkassowirtschaft ist der Blick nach Europa aktuell wichtiger denn je. Die Datenschutz-Grundverordnung zeigt, dass der europäische Gesetzgeber großen Einfluss auf die Geschäftsprozesse und die tägliche Arbeit von Inkassounternehmen hierzulande hat. Daher war der diesjährige Kongress der FENCA auch für die deutsche Inkassowirtschaft ein Pflichttermin.

Auf dem Kongress wurde deutlich: Das Forderungsmanagement und die FENCA als ihr Repräsentant wird von europäischen Entscheidern wahrgenommen. Zurecht: Immerhin spricht die FENCA mittlerweile für 23 europäische Inkassoverbände. Rechnet man die assoziierten Mitglieder hinzu, dann ist der Verband sogar in fast 50 Ländern weltweit vertreten. Die in der FENCA und ihren Mitgliedsverbänden organisierten Unternehmen beschäftigen allein in Europa rund 55.000 Menschen. Das verleiht der Stimme der FENCA ein deutliches Gewicht. Der BDIU hat daran großen Anteil. Schon seit fast fünf Jahren zeichnet er von Berlin aus verantwortlich für das Management des europäischen Dachverbands.

Dass sich dieses Engagement auszahlt, wurde in Sofia deutlich. Auf der Agenda standen die entscheidenden politischen Themen der Branche. Besonders wichtig natürlich: Die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung. Wer sich bereits mit der Anwendung des neuen datenschutzrechtlichen Rahmens im eigenen Unternehmen befasst hat, der weiß um die Tücken des bisher größten auf europäischer Ebene beschlossenen Gesetzes: Die Grundverordnung ist unfassbar abstrakt. Begrifflichkeiten wie Inkasso oder Forderungsmanagement sucht man vergebens. Dieses hohe Maß an Abstraktion macht die Anwendung schwierig. Zum einen für die Regelungsbetroffenen: große wie kleine Unternehmen in Deutschland. Aber letztlich auch für die Aufsichtsbehörden, die über die Einhaltung der Regeln wachen und bei Rechtsverstößen rigorose Sanktionen aussprechen können. Die spürbare Folge derzeit: Unternehmen sehen sich einer Rechtsunsicherheit ausgesetzt und müssen gleichzeitig viel Geld in die Umstellung ihrer Geschäftsprozesse investieren.

Glücklicherweise ist sich die FENCA dieses Problems genauso bewusst wie der BDIU. Unter aktiver Mitwirkung des BDIU arbeitet der Europa-Verband derzeit an einem Code of Conduct zur Datenschutz-Grundverordnung. Der Code soll die abstrakten Normen und Rechtsbegriffe der Datenschutz-Grundverordnung konkretisieren und auf die Inkassobranche herunterbrechen. Zeitnah zum Inkrafttreten des neuen Datenschutzrechtes Ende Mai 2018 soll der Code of Conduct dann auch der Europäischen Kommission zur offiziellen Anerkennung vorgelegt werden. Ab dann hilft er Inkassounternehmen dabei, die neuen Regeln rechtssicher umzusetzen und dient als verbindliche Interpretationshilfe für die Aufsichtsbehörden. Das wäre ein Meilenstein der verbandlichen Selbstregulierung in Europa.

Und auch über die Datenschutz-Grundverordnung hinaus setzt sich die FENCA für die Belange ihrer Mitglieder ein.

Ein weiteres wichtiges Thema, das auf dem Kongress intensiv diskutiert wurde, ist die Reputation des Berufsstandes. Nicht nur in Deutschland besteht eine erhebliche Schieflage zwischen der öffentlichen Meinung über – und den Verdiensten von Inkasso. Gerade die britischen Kolleginnen und Kollegen konnten davon berichten, wie gefährlich es ist, diesen Missstand einfach so hinzunehmen. Ähnlich wie die deutsche Inkassowirtschaft wurde auch die britische Industrie vor einigen Jahren reguliert. Bedauerlich: Der britische Interessenverband hat bei den Entscheidern auf der Insel weit weniger Gehört gefunden als der BDIU im Zuge der jüngsten Inkassoregulierung: Inkasso ist seither auf den britischen Inseln kaum mehr profitabel abbildbar. Ein Horrorszenario – nicht nur für die Branche selbst, sondern auch für die unzähligen Auftraggeber und damit für die Wirtschaft. Die Lehre: Aktives Reputationsmanagement mag müßig sein, ist aber langfristig entscheidend. Denn nur wenn Inkasso als das wahrgenommen wird, was es ist – ein Zahnrad, welches dafür sorgt, dass ganze Volkswirtschaften funktionieren –, kann die Branche darauf hoffen, wahrgenommen zu werden.

Insgesamt also erneut ein rundum gelungener Kongress, bei dem auch das Netzwerken und der Erfahrungsaustausch abseits politischer Themen nicht zu kurz kamen.

Im nächsten Jahr trifft sich die europäische Inkassobranche übrigens im Herzen von Europa:

Der FENCA Kongress 2018 findet vom 24. bis 26. Oktober in Straßburg statt. Bis dahin!

Nebenbei: News von FENCA gibt es bei Twitter: @FederationFENCA

Repräsentanten der FENCA und ihrer Mitgliedsverbände